Donnerstag, 6. Juli 2006

Patriotismus


Im Sport ist es legitim, Patriotismus wird praktiziert.
Die kleinen Schweizer auf einmal ganz gross an der Fussball WM. Die kleine Schweiz wird respektiert, ja sogar teilweise gefürchtet von der Grande Nation, Deutschland, Spanien und allen Fussballexperten. Die kleine Schweiz legt ihre Bescheidenheit ab, lebt für eine Weile in Ekstase. Die kleine Schweiz bekennt Farbe. Eine Nationalmannschaft die multikultureller nicht sein könnte, löst eine Euphorie aus, welche mehr als 50'000 Schweizer nach Dortmund bewegt, nur um 90 Minuten Fussball anzusehen. Die Schweiz - der neue Lifestyle?

In Deutschland das gleiche, ein neuer Nationalstolz blüht auf. Die Leute überwinden ihr Kriegstrauma und trauen sich wieder die Nationalflagge aus dem Fenster hängen zu lassen. Man ist stolz auf sein Land und zeigt sich der Welt sympathisch und hilfsbereit. Die Mannschaft, getragen vom Volk, spielt auf einmal ansehnlichen Fussball, tritt als Einheit auf, gewinnt die Spiele und kommt bis in den Halbfinal. Das Zitat (weiss nicht mehr von wem es war...): "Der deutsche Patriotismus ist darum so schlimm, weil das Land auf nichts stolz sein kann", ist vergessen, jetzt haben sie ja wieder eine Fussballnationalmannschaft, die in der Welt gefürchtet wird. Ganz nebenbei kurbelt die WM den BIP-Wachstum Deutschlands um ca. 0.3% an und die innenpolitischen Probleme wie das Gesunheitswesen und die Steuerreformen beschäftigen die Bürger für einmal nicht. Gebt dem Volk Spiele und es wird euch lieben.

Die WM 2006 in Deutschland hat ihren Sinn erfüllt, oder?

5 Kommentare:

saile klein hat gesagt…

Naja, mir kommt das immer etwas schräg, hab nie verstanden warum man auf sein Land stolz sein soll... mein Land ist mir relativ egal, wichtig ist mir mein soziales umfeld...

Andererseits scheinen nicht alle dieser Meinung zu sein und wohin ein krampfhaft unterdrückter Patriotismus führen kann, sieht man in der ehemaligen DDR, wo es mit Abstand am meisten Neonazis gibt.

Das Margeau hat gesagt…

scheiss auf den patriotismus, scheiss auf nationalstolz. das alles ist nur eine illusion und führt zu krieg. ihr redet schon vom "endlich vergessen"... verdammt nochmal so etwas darf man nicht vergessen. jetzt nach der wm kann man wieder die fahnen ins haus nehmen und in den schrank stellen. so spricht man einen drauf an warum er das noch nicht getan hat, heiss es wieder: "ehmm scheiss pessimischt, oder scheiss linke, hesch kei stolz?" ich sage es nochmal: es ist eine illusion!! ihr seid nicht auf eure nation stolz, denn die existiert nicht, sie existier nur in unseren köpfen.ihr seid auf euch selbst stolz, auf die gesellschaft, auf eure familie und auf den ort von dem ihr her kommt, die häuser und die liebe die ihr hier bekommt, darauf seid ihr stolz... peace

- El Cloedel - hat gesagt…

Und genau wenn man auf die Familie, auf sich selber, auf seine Freunde, die Liebe die man bekommt (oder eben nicht) etc. nicht stolz sein kann, ist der Ausweg in den Patriotismus wohl eine plausible Alternative und weit verbreitet...

Ein jeder sucht halt und Erfüllung, leider findet dies nicht jeder in seiner unmittelbaren Umgebung.

Das Margeau hat gesagt…

genau... aber was bedeutet jetzt diese erkenntnis für uns??? gäbe es weniger nationalstolz wenn wir nicht so egoistisch wären und unsere liebe teilen würden?? wären da nicht alle glücklicher???

- El Cloedel - hat gesagt…

Oh ja, das wären wir. Nur geht es dabei nicht um Egoismus denke ich. Denn es gibt leider Leute, die keine Liebe in sich tragen, dementsprechend lässt sich auch keine oder nur beschränkt Liebe geben...