
BILANZ zeigte in ihrer Printausgabe detaillierte Ergebnisse der grössten Vergleichsstudie aller Städte der Schweiz. Ausgewertet wurden 50 Kriterien – von Dynamik, Erholungswert, Sozialstruktur über Steuerbelastung bis Zentralität.
(Natürlich ist die Zusammenstellung schwer zu gestalten und sehr individuell sowie die Kriterien für jeden Menschen unterschiedlich wichtig, dennoch hat ein solcher Vergleich immer einen gewissen Reiz.)
Wer also will da nicht wissen, wo seine Stadt gelandet ist? In meinem Beispiel war es Platz 112, von total 122 rangierten Städten, tolles Ergebnis, ich scheine im Paradies gestrandet zu sein...
Was für ein ernüchterndes, brutales Ergebnis für eine Stadt, die zwar jahrelang geschlafen und den Anschluss klar verpasst hat, trotzdem aber ihren Reiz hat und, wenn auch nur langsam und träge und immer wieder mit Rückschritten, in Bewegung ist. Im Rheintal, einem ziemlich konservativen und teilweise vergessenen Gebiet der Schweiz, wirkt Altstätten im Vergleich zur Umgebung als Hochburg der Kultur. Mit der RHEMA findet alljährlich eine grosse gewerbliche Ausstellung statt, welche nicht nur zum Treffpunkt der Gesellschaft sondern auch zum Auftritt diverser grosser Persönlichkeiten aus der Wirtschaft führt. Altstätten lebt noch immer die Tradition ihres Image als Marktstädchen, jeden Donnerstag Waren- und Gemüsemarkt sowie vier grosse Märkte und diverse "Spezialmärkte" wie Bauernmarkt und Pelzfellmarkt etc. Die Bibliothek ist für ein 10'000 Einwohner-Städchen 1a. Die Fastnacht ist einer der bekanntesten und besten im Lande. Sogar ein Theater - wenn auch nur ein kleines - ist vorhanden.
Beizen findet man an jeden Ecken...
...nur die Qualität lässt manchmal zu Wünschen übrig, Mainstream und Konservativität macht die Runde. Zudem wurde mit der Polizeistunde vor ein paar Jahren den meist friedlich feiernden Jugendlichen die Freiheit aufgrund einiger wenigen jungen vandlierenden Idioten und den Beschwerden der Einwohner eingeschränkt - ein gewaltiger Rückschritt und unnötiger, sinnloser Bruch der Tradition.
Das Städchen hat grossen Reiz, die Bauten bilden eine schöne Einheit, das Museum ist gut geführt, man spürt die Geschichte zwischen den Wänden im Städtchen...
...nur fahren noch immer Autos über die Pflastersteine, kein gemütliches Kaffee auf der Strasse möglich.
Sämtliche Schnellzüge halten in Altsätten...
... trotzdem verfügen wir noch immer über einen der hässlichsten Bahnhöfe der Schweiz.
Man findet viel gut gelegenes, schönes und vorallem noch relativ günstiges Bauland...
...dafür zahlt man hier aber einen der höchsten Steuerfüss des Kantons, seit Jahren ist Altstätten im Ausgleich.
Vor einigen Jahren wurde ein grosser, toller Platz für die RHEMA und andere mögliche Veranstaltungen erschaffen...
...nur ist die Miete dieses Platzes so teuer, dass sämtliche Interessenten gleich bei der Preisauskunft von der Stadt abgechreckt werden.
Es gibt hier gute Firmen mit spannenden und qualitativ hochstehenden Produkten...
...neue Firmen werden aber kaum angezogen, kein Anreiz, kein Stuerruling - wieso auch immer.
Was vielleicht wirklich fehlt, sich aber kaum ändern lässt ist ein fehlendes Erholungsgebiet, ein Baggersee, ein grüner Park oder dergleichen.
Am Donnerstag wollte ich "Der Fluch der Karibik II" im dieses Jahr zum 1. Mal organisierten Open Air Kino in Altstätten anschauen gehen, ich kriegte keine Tickets mehr, was mich nicht gross überraschte. Die Organisatoren aber anscheinend schon. Man sieht daran, Altstätten bewegt sich, was auch bitter nötig ist, denn der Hunger der Gesellschaft nach Abwechslung und Attraktivität wurde mit diesem Anlass wieder klar ersichtlich. Nur glauben viele Leute gar nicht richtig dran oder bleiben liebher stehen.
Also liebe Altstätterinnen und Altstätter, liebes Altstätten, lasst Euch von der Bilanz nicht aus der Bahn werfen, macht weiter auf Eurem Weg, lernt aus den Fehlern und werdet vielleicht noch ein Tick lieberaler. Mir gefällts hier - trotz allem.
Stadt Altstätten online

7 Kommentare:
Ich find das ganz gut so wie ist. Alstätten das verpennte Kaff wo keiner hin will... da will ich leben :-)) (ab und zu)
jaja, da spricht der konservative rheintaler: es ist zwar scheisse hier aber mir gefällts... ;-)
wenn ich ehrlich bin, kann ich es kaum erwarten mein oneway-ticket in den händen zu halten und auf dem hässlichsten bahnhof des landes auf meinen zug ins nirvana zu warten.
Das hat in meinem Fall nichts mit Konservativität zu tun sondern mit einer gesunden Bescheidenheit! :-p
wie weit liegt bescheidenheit (man ist zufrieden mit dem was man hat, ja nichts neues..) und konservativität(das alte ist gut, das neue ist schlecht)???
Mag sein, dass diese zwei Begriffe manchmal parallel verlaufen können. Wenn ich aber von Bewegung, mehr Liberalität und nicht stehen bleiben rede, finde ich den Titel konservativer Rheintaler unangebracht.
Ausserdem bin ich ja nicht einer, der noch nie an anderen Orten war, und es ist bestimmt nicht überall besser als bei uns, soviel Pech hatten wir also auch wieder nicht... (und wieder schlägt meine Bescheidenheit durch *g*) ;-)
Aber ich versteh Deine Aufbruchstimmung, geht mir ja gleich, kann's auch kaum erwarten endlich nach Winterthur zu ziehen...
nein, nein! das betrifft nicht dich el cloedel...ich habe auf den coment von saile klein reagiert...von wegen: ich finde das ganze gut so wie es ist.
Leb mal im Lifestylemässig obercoolen Zureich. Da ist ein peinliches Kaff wie Altstätten echt ne Entspannung...
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