Sonntag, 9. Juli 2006

Bedingungsloses Grundeinkommen


Mein Dödelfreund Saile Klein hat ein interessantes, fast schon revolutionäres Thema aufgegriffen bzw. entdeckt. Es geht dabei um das bedingungslose Grundeinkommen. Ein jeder volljähriger und mündiger Bürger soll dabei ein minimales Grundeinkommen bekommen, welches ein sehr bescheidenes Leben ermöglicht und absichert. Daraufhin ist er natürlich nicht mehr verpflichtet der herkömlichen leistungsorientierten Arbeit nachzugehen, sondern kann sich seinen Talenten widmen und sinnorientiert handeln, sprich seine Fähigkeiten auf individuelle Art und Weise der Gesellschaft zukommen lassen. Der Bürger muss also nicht arbeiten, sondern er will arbeiten. Auf den ersten Blick gleicht dies wohl einer Paradiesvorstellung, vieles wäre einfacher und vorallem angenehmer. Ob und wie ein solches Szenario zu realisieren wäre, muss diskutiert und analysiert werden. Es lohnt sich also, das Thema ein bisschen tiefer zu betrachten.

Den Ansatz und einige Erklärungen zu Gegenargumenten findet man in der Rede von Prof. Werner Götz, Leiter der dm Drogeriemärkte mit über 23'000 Angstellten, vom 30. Juni im Casino Basel. Die Dauer des Vortrages ist mit 54 min zwar lang, dabei aber sehr kurzweilig. Ein solch spannender Ansatz ist die Zeit allemal wert: Link

Die im Vortrag als neue Arbeit definierte Zukunft und das damit verbundene schon fast Mischform-artige System zwischen Kapitalismus und Kommunismus wirft aber dennoch einige Fragen für mich auf. Kann der Mensch ohne Anreizsystem wirklich produktiv sein? Bringt nicht ein zu kleiner Teil der Menschheit die Initiative auf, einen effektiven gesellschaftlichen Output auf freiwilliger Basis zu generieren (das Gegenargument von Götz, dass nur Penner und der Jetset keinen Beitrag an die Gesellschaft leisten, ist für mich dabei zu banal)? Wird bei einer progressiven Konsumsteuer nicht der Konsum unterbunden und damit der wirtschaftliche Kreislauf gefährdet? Werden nicht banale aber für die Gesellschaft unumgängliche Dienstleistungen wie Müllabfuhr, öffentliche Reinigung etc. hinfällig bzw. es werden keine Arbeiter mehr dafür gefunden, da die Motivation, der Anreiz, das Müssen dafür fehlt? Wie verträgt sich dieses Modell mit der Grundthese des homo oeconomicus?

Radikales Denken geht heute immer mehr verloren (ich bin ein Beispiel dafür), ist aber extrem wichtig um die Gesellschaft in Bewegung zu halten. Manager und Politiker sind nicht innovativ und haben nicht die Aufgabe neue Wege zu gehen, sondern die besten aus den vorhandenen auszuwählen, da geb ich Herrn Götz recht. Es muss jedem einfachen Bürger einfach bewusst sein, dass Ideen niemals 1:1 umgesetzt werden können. Leider findet dieser Prozess nicht bei allen statt, daher auch immer wieder das radikale Handeln, welches dann produktive Inputs, wie sie zum Beispiel bei Demonstrationen stattfinden, zerstören. Trotzdem können Änderungen nur durch die Kraft des Denkens möglichst vieler Bürger erreicht werden, wir alle haben daher eine gewisse Verantwortung, welche oft (wie in meiner Person leider auch manchmal) zu selten wahrgenommen wird.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

du häsch eifach z'viel ziit... skandalös (grüsschen, dein nachbar!)

Anonym hat gesagt…

ein wichtiger punkt, den götz werner erwähnt, ist die besteuerung des einkommens also es wird dort geld gescheffelt wo geld rein kommt und nicht dort wo es in den markt fliesst (mehrwertssteuer). das wäre auch der punkt wie dieses projekt (bedingungsloses grundeinkommen) finanziert werden könnte durch die besteuerung des konsums.