Die SVP hat den Wahlkampf als Sieger beendet. Das war zu befürchten. Doch Glück im Unglück. Meiner Meinung nach ist alles halb so schlimm. Schauen wir uns einige Fakten genauer an.Verschiebung Sitzverteilung Nationalrat
Entscheidend sind schlussendlich die Sitzverteilungen im Parlament. Da hat die SVP 7 Sitze dazugewonnen. Beängstigend viel, aber schnell zu relativieren, wenn man sieht, dass gleichzeitig die FDP 5 Sitze verloren hat. Die SP verliert 9 Sitze, was auch zu relativieren ist, da dafür die Grünen 7 und die Grünliberalen 3 Plätze gewonnen haben. Aufgrund der in Vergangenheit sehr destruktiven Politik der SP, ist dies sogar positiv zu werten. Vor allem die Grünliberalen wirken sehr frisch und werden hoffentlich einige gute Vorstösse im Parlament vollziehen. Die CVP (welche meiner Meinung nach im Vergleich zu den anderen Parteien den besten aller schlechten Wahlkämpfe betrieben hat) gewinnt 3 Sitze. Wichtig, dass die Mitte gestärkt wurde und jene Partei, die in der vergangenen Legislatur am meisten erreicht hat, dafür belohnt wird. Ein leichter Rechtsrutsch ist trotzdem nicht abzusprechen und sehr zu bedauern. Doch die Aufteilung scheint für Veränderungen der Schweiz viel versprechend zu sein, da alle Blöcke mit der richtigen Koalition Mehrheitsfähig sind. Damit darf man auf einige erfolgreiche Reformen hoffen, welche bitter notwendig wären.
Positiv am Rande ist noch, dass Ulrich Schlüer von der Zürcher SVP abgewählt wurde. Der Initiator der Minarett-Verbot-Initiative hat seine Wiederwahl nicht erreicht. Damit bleibt ein kleiner Glaube daran, dass auch SVP-Wähler den Verstand nicht völlig verloren haben und Rechtsextreme von Bürgerlichen Politikern unterscheiden können.
Verschiebung Sitzverteilung Ständerat
Beim Ständerat kommt es in den meisten Kantonen zu einem
2. Wahlgang. Einige sind bereits gewählt, dabei gab es keine grossen Veränderungen, die SP konnte beispielsweise alle Sitze halten. Zur genauen Veränderung kann man erst am 25. November genaueres sagen, da es in teils Kantonen (z.B. St. Gallen) sehr spannend wird.
Kanton St. Gallen
Einmal mehr zeigt sich der Kanton St. Gallen sehr konservativ, allen voran meine Heimat – das Rheintal... Die SVP gewinnt auf Kosten der FDP einen Sitz dazu. Die Altstätterin Jasmin Hutter hat das beste Rheintaler Resultat erreicht mit 61'000 Stimmen (Wer zum Teufel gibt dieser Frau die Stimmen? Ich versteh diese Leute einfach nicht...). Falls Brunner in den Ständerat gewählt wird, würde der SVP-Oberrietner Rino Büchel in den Nationalrat nachrücken.
Im Ständerat wird es sehr spannend. Hoffentlich tritt Hilber von der SP nicht mehr an, so dass jene Stimmen wohl möglich an David (CVP) und Forster (FDP) gehen, damit der Super-Gau, dass es der „kleine Blocher“ Toni Brunner in den Ständerat schafft, verhindert wird. Bin gespannt wie die SP entscheidet, lieber relativ sicher 2 Sitze in der Mitte durch FDP und CVP oder die Möglichkeit vielleicht ein Sitz zu gewinnen (durch die zusätzlichen Stimmern der Grünen) und dafür aber ziemlich sicher Brunner im Ständerat zu haben...

10 Kommentare:
Krass! SVP gibt mehr Geld für Inersate und Plakate aus, als alle anderen Parteien zusammen...:
http://www.tages-anzeiger.ch/dyn/news/schweiz/805765.html
Die SP plant zu diesem Thema eine Initiative, wonach Herkunft der Spendengelder deklariert werden müssen, fände das eine gute Sache. Nimmt mich ja wunder wer alles die SVP unterstützt und wieviel Blocher selber reinsteckt.
Und noch was zum Thema - Hilber von der SP St. Gallen verzichtet auf die Teilnahme zum 2. Wahlgang des Ständerats. Nun sollte für David (CVP) und Forster (FDP) die Bestätigung ihrer Ämter Formsache sein und Brunner hoffentlich endlich einmal wieder eine Niederlage einstecken.
Ausserdem - die SD (Schweizer Demokraten) gibt es bald nicht mehr. Die Rechtsaussen-Partei hat ihren Sitz im Natinonalrat verloren und will sich nun auflösen, juhuu... :-)
Noch interessant zur SVP:
http://www.mitte-des-volkes.ch/
(auch der Bericht im September-Magazin vom Tagi)
Ansonsten find ich ist dir ne gute Analyse gelungen. Ich bleib aber dabei, das Schweizer Stimmvolk ist vorallem eines: unpolitisch.
Geb ich dir völlig recht.
Wäre das Schweizer Volk politisch informiert, würden sich ja auch nicht 50% der Wähler erst in der vorletzten oder letzten Woche vor den Wahlen entscheiden, welche Partei sie denn nun wählen. (und würden dann sicher auch nicht SVP wählen...)
Ich denke aber auch, dass Politik nicht für jeden was ist. Eine gewisse Bildung und den Verstand, Zusammenhänge erkennen zu können, müssen schon vorhanden sein. Und diese Eigenschaften können einfach nicht alle von sich behaupten. Oder bin ich da zu kritisch? Zu "Böse"?
Und dann kommt dazu; warum auch politisch sein - momentan läuft (ausser mit den Ausländern und den Finanzen, und da hat die SVP ja so tolle Lösungen parat) für die meisten ja alles mehr oder weniger gut. Momentan...
We all are living in Amerika, Amerika ist wunderbar (Rammstein,2005)
Gut für jene, die bereit sind die Werte unserer Gesellschaft zu aktzeptieren. Mein Traum wäre eine Gesellschaft die ihre Werte immer wieder neu definiert, wodurch sie eine Echtheit bekommen, welche den Menschen heute fehlt. Weil es ihnen fehlt, zieht es sie zu vermeintlichen Identitätstifterinnen wie die SVP.
Ich finde nicht das die Leute zu blöd sind für die Politik, die Politik ist nur nicht fähig Zusammenhänge ehrlich und einfach zu vermitteln, dass ist nicht einfach, wäre aber ihre Aufgabe. Deshalb kann ich das Gejammere zum Beispiel seitens der SP nicht mehr hören, denn sie ist offensichtlich auch nicht fähig, dies zu tun.
also ich habe mühe dieses ergebniss zu akzeptieren. es ist beängstigend wie sich eine solche partei 7 plätze im nationalrat erkauft.
ich rechne mal vor, nach den angaben des tagesanzeigers; 10.7 MILLIONEN wurden in diesem wahlkampf nur für Wahlplakate und Inserate ausgegeben. die svp davon im schnitt ca. 65%. das bedeutet 6.955 MILLIONEN. Und dann kommt noch die zusätzliche Dunkelziffer(Briefsendungen, Internetfilmchen, etc), die ja die Partei nicht nennen muss, von ca 15MILLIONEN. Gesammthaft also ca 22 MILLIONEN.
Resultat: 7 Nationalratsitze für nur 22MILLIONEN!! Ein Nationalratsitz kostet die svp also 3.14MILLIONEN schweizer franken.
Wenn ich bei der svp wäre, die ja schliesslich 62 (fast ein drittel von 200) Plätze im Nationalrat "besetzt", "gekauft" "erbeutet" hat, würde ich die restlichen 138 plätze bei der nächsten wahl einfach für nur 433.714 MILLIONEN kaufen. dann würde der svp der ganze nationalrat gehören, somit wäre blocher gestärkt, garantiert!!!!!
Die Werte unserer Gesellschaft sind nicht grundsätzlich schlecht und das Schweizer Volk kann sich leicht damit identifizieren, das es von Natur aus Tolerant, Anpassungsfähig und Bescheiden ist.
Eine Gesellschaft die ihre Werte immer wieder neu definiert - ist das nicht zu Romantisch? Ich glaube für den Menschen waren Strukturen schon immer wichtig und elementar, die Sicherheit überwiegt den Drang nach Neuem.
Du hast Recht, eigentlich wäre es die Aufgabe der Politik die Zusammenhänge plausibel aufzuzeigen. Da müssen alle, bis auf die SVP hinter die Bücher.
Zur SP noch ein interessantes Interview mit Partei-Präsident Hans-Jürg Fehr, der meiner Meinung nach einen grossen Anteil an der Wahlniederlage hat, weil er auch mich in seinen Auftritten aufgeregt hat und sehr unglücklich auftrat. Das Interview find ich aber gelungen und zeigt, dass die SP vom Parteiprogramm her durchaus Potential hätte:
http://www.woz.ch/artikel/2007/nr43/schweiz/15531.html
also zum thema zusammenhänge verstehen können bezüglich politik..ich interessiere mich jetzt mit meinen jungen 20 jahren erst seit ca einem jahr für politik (leider). finde es an sich ein sehr spannender bereich, doch es herrschen in der politischen sprache sehr viele fachausdrücke, welche viele leute (also ich :)) nicht verstehen. es ist sehr bequem wenn man familienmitglider hat , welche die zusammenhänge und fachausdrücke verstehen und so auch auf eine einfache art und weise einem anderen familienmitglied diese
erklären können. mir fehlt, wie ich merke, auch das grundwissen bezüglich politik und das denke ich ist das wichtigste was es braucht um politische zusammenhänge sehen zu können. fände es super wenn man das thema politik spielerisch in den schulunterricht einbauen kann und zwar schon früh. es grüsst ädri
Hast du vollkommen recht - die Demokratie lebt vom aufgeklärten Bürger. Da ist es elementar, dass Grundwissen bereits früh vermittelt wird. Der Bildungsauftrag in diesem Bereich war für mich zu meiner Schulzeit mangelhaft. Weiss nicht ob es mittlerweile besser geworden ist..., denke aber eher nicht. :-(
Und dass die Politiker lernen müssen ihr Argumentarium in der Sprache des Volkes vorzutragen, haben wir bereits mehrfach thematisiert. Expertengespräche können sie in den entsprechenden Komissionen immer noch führen. In der Öffentlichkeit (Podiumsdiskussionen, Leserbriefe, Homepage etc.) sollten sie sich der einfachen, volksnahen Sprache bedienen.
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