Nun will ich mich doch auch noch zur so gespannt erwarteten neuen Satiresendung von Viktor Giacobbo, Mike Müller und dem Schweizer Fernsehen äussern.Die Politiksatire an sich, als neues aufkommendes Genre, finde ich richtig klasse. Da wird auf künstlerische Art Politik mit Unterhaltung verknüpft. In einer mehr oder mehr desinformierten Gesellschaft eine wirksame Methode den Bürger wieder mündiger zu machen. Wenn dann die Umsetzung stimmt. Wenn.
Meiner Meinung nach bietet die neue Late Night Show - "Late service public" genannt - zuwenig Inhalt. Zu öberflächlich, zu allgemein, zu platt kommt mir alles vor. Ich habe von Giacobbo (und das ist wohl das grosse Problem da es den meisten so ging, die Erwartungshaltung war extrem hoch) mehr erwartet. Es gibt zwar immer wieder einige Lacher, im Vergleich dazu aber viel zuviele Flops, wenig Neues und Innovatives und völlig veraltete, nicht mehr der Zeit entsprechende Figuren (der Türke beispielsweise). Teilweise langweilige Gäste (dass Suter gute Bücher schreibt, aber als Gesprächspartner gähnend langweilig ist, sollte man als Journalist wissen) und auch Giacobbo müsste sich mehr zurücknehmen, sonst läuft ihm Müller endgültig den Rang ab.
Zu den wenigen positiven Aspekten zählen für mich der neue Mörgeli/Leuenberger-Nachahmer, Peter Tate und im Allgemeinen der Mut auch mal unter die Gürtellinie zu gehen beim sonst so braven Schweizer Fernsehen (Spiel mit dem Klischee der rasenden Serben, Hitler, Fäkalsprache etc.). Ausserdem gelingt es den beiden meistens den roten Faden zu halten und mehr oder weniger spontan zu wirken (mit Betonung auf mehr oder weniger...), was bei zwei Gästen gleichzeitig nicht immer einfach ist.
Auch gestern hat mich die Sendung nicht wirklich überzeugt. Der Hitler war überhaupt nicht lustig (wenn man schon so provokative Figuren auswählt muss es auch wirklich lustig sein), der Hund Lupo war solala, Benellis Deutschkurs war herzig aber nicht mehr, nur Leuenberger/Maurer war okay. Aber der richtige Brüller fehlte. Die Gäste waren dann auch nicht sonderlich spannend, wobei sich SP-Nationalrätin Hildegard Fässler (ehemalige Lehrerin an der Kantonsschule Heerbrugg) tapfer schlug (ist ja nicht einfach als Gast dort zu sein, Oskar Freysinger versagte mit seinen vorbereiteten Witzen völlig...), bis sie auf die Frage wie weit dann die Schweiz an der EM komme mit "Achtelfinale" antwortete. Aber zum Glück hat's ja niemand bemerkt. Soviel zum Niveau des Gesprächs.

2 Kommentare:
Ich find die Sendung auch erstaunlich GÄHN.
Beim Serbenwizt hab ich ehrlich gesagt abgeschaltet. Wenn in einer so laschen Sendung der frechste Witz nur dadurch funktioniert, in dem man die gutmenschliche Regel nichts gegen Minderheiten zu sagen durchbricht... naja... das ist dann auf Gewisse Art eben auch sehr brav. Satire darf alles, nur nicht langweilig sein.
Und ähm clödel... Politiksatire als neuaufkommendes Genre zu bezeichnen ist schon fast ne satirische Aussage... Kannst du mir begründen wie du auf das kommst?
(Nebelspalter gibts zum Beispiel seit mehr als 70 Jahre...)
Den Serben-Witz fand ich okay, weil er aus dem Diskurs hinaus ein anderes aktuelles politisches Thema mit einem sowieso schon verbreiteten Klischee verband. Das es sich dabei (bei uns) um eine Minderheit handelt find ich in diesem Zusammenhang nicht problematisch.
Aber eben - über Geschmack lässt sich streiten und eine Satire-Sendung ist dafür geradezu prädestiniert.
Betreffend Politsatire hast du recht, hab ich zuwenig genau beschrieben. Politsatire im Medium Fernseh hätte ich ergänzen sollen. Wobei die Schweiz da natürlich auch wieder hinterherhinkt. (Beispiel Harald Schmidt)
Kommentar veröffentlichen