Von den 18 gesehenen Filmen, habe ich die meisten mit 3 oder 4 bewertet (Wertung 1-6 möglich). Drei der gesehenen Filme haben mich aber besonders berührt:
- Die Zahnklempner von Jaipur
Falk Peplinski, Indien 2005, 4’37’’, Hindi/deutsche UT, Spielfilm
Eine herrliche Komödie über alternative Zahnärzte, welche ihre Arbeit auf der Strasse in Jaipur (Indien) verrichten. Die Mischung der Bilder mit den altmodischen Werkzeugen und der mangelnden Hygiene sowie das in Szene setzen der "Mediziner" ist wahrlich gelungen. An Lachern fehlt es auch nicht, meint einer z.B.: "Wir haben Kunden, die müssen auf den Zug, da muss es halt schnell gehen mit dem alten Zahn ziehen und dem neuen einpflanzen, das können die teuren Ärzte in den Klinken nicht bieten..."
- Dime lo que sientes
Iria Gómez Concheiro, Mexiko 2006, 24’, Spanisch/englische UT, Spielfilm
Eine triste und doch warme, wunderbare Liebesgeschichte in der Hoffnungslosigkeit der Slums von Mexiko-City. Die träumerisch romantische Botschaft "Liebe rettet jeden" durchzieht den ganzen Film.
- West Bank Story
Ari Sandel, USA 2005, 22’, Englisch, Musical
Mein absoluter Favorit! Hab ich auch als einzigen Film mit 6 bewertet!
Die beiden Fastfood-Buden "Kosher King" und "Hummus Hut" bekämpfen sich total. Der Soldat David und die bei Hummus Hut arbeitende Fatima finden zueinander. Mit ihrem Gesang und ihrer unerschütterlichen Liebe versuchen sie gegen gegen die Rivalitäten zwischen den beiden Fastfood-Buden und auch ein bisschen gegen den Krieg anzukämpfen. Eine sensationelle, bittersüsse Satire zu den Misständen am Gazastreifen, voller Hoffnung und Zynismus. Tolle Schauspieler, saulustig und ein geniales, prägnantes Ende, dass ich kurz (übertragenerweise und im Deutschen) zitieren will.
David zu Fatima (während des Wiederaufbaus der beiden Restaurants, welche die beiden rivalisierenden Gruppen gegenseitig zerstört haben): "Wenn sich durch die gegenseitige Unterstützung der Judentum und der Islam endlich verstehen, können wir unsere Liebe hier frei ausleben!"
Fatima: "Aber wenn nicht, dann ist unsere Liebe nutzlos?"
David: "Nein, dann ziehen wir an einen Platz wo sich auch Juden und Moslems verstehen."
Fatima: "Aber diesen Platz gibt es doch gar nicht!?"
David: "Doch, Beverly Hills!"
Dieser Film holte sich auch völlig zurecht den Publikumspreis. Er setzte sich gegen 39 andere internationale Kurzfilme durch und erhielt das Preisgeld von CHF 8'000.-! Hab sogar noch eine kurze Vorschau gefunden: West Bank Story - Trailer Übersicht zur Preisverleihung: Link
Diese Beispiele zeigen eindrücklich, wieviel variantenreicher das Filmleben sein könnte. Leider ist die Schweiz aber übersät von Kinozentren, welche immer nur den gleichen Müll aus Hollywood zeigen. Kinos à la KINOK in St. Gallen, Riffraff in Zürich oder das Kino Nische im Gaswerk Winterthur müssten stärker unterstützt werden. Schliesslich macht Abwechslung das Leben spannend, und wer hat schon Lust die 20. Liebesgeschichte mit Julia Roberts, Cameron Diaz oder wie sie alle heissen zu sehen, die sowieso immer im gleichen Schema ablaufen...?!
Naja, es gibt aber auch gute Blockbuster - Borat hat es mir angetan. Zwar sind einige Sprüche klar unter der Gürtellinie, doch ich lieb das. Und seine Art wie er die Religionen, die Toleranz und nicht zuletzt die amerikanischen Werte hinterfrägt, gefällt mir. Provokationen und Extremitäten sind gut - solange sie in künstlerischen Werken bleiben.

1 Kommentar:
Ja, die Kurzfilme, die ich gesehen habe, fand ich auch gut. Finde Kurzfilme allgemein eine spannende Form von Film.
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